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Welche Gartenlounge ist wirklich wetterfest?

Oder: Was Hersteller versprechen — und was nach dem zweiten Winter übrig bleibt.

Wer unseren Beitrag „Holz im Garten — oder wie Sisyphos den Aperitif verhindert“ gelesen hat, kennt unsere Haltung zu romantischen Versprechen rund um Gartenmöbel aus Holz. Kurz zusammengefasst: Wir lieben das Material Holz. Im Innenbereich. Draussen haben wir gelernt, dass „pflegeleicht“ und „wetterfest“ zwei der am häufigsten missbrauchten Begriffe der Möbelbranche sind.

Heute nehmen wir den zweiten grossen Begriff auseinander: wetterfest. Und wir bleiben dabei so ehrlich, wie wir es beim Holzthema waren.

Was heisst „wetterfest“ eigentlich? – Oder was nach dem ersten Schweizer Winter wirklich passiert.

„Wetterfest“ ist kein geschützter Begriff, kein Zertifikat, keine Norm. Hersteller dürfen ihn verwenden, wenn das Produkt einen kontrollierten Labortest übersteht. Meist wird hier nur geprüft ob das Produkt einen Regenschauer aushält – meilenweit entfernt von einer ganzjahres Wetterfestigkeit oder sogar Winterfestigkeit. Ob das nämlich wirklich einer Terrasse im Thurgau nach einem Hagelsturm im April, sechs Wochen Dauerregen im November und minus acht Grad im Januar entspricht, würde eine ganz andere Prüfung erfordern.

Hier ist ein Szenario, das wir uns von Kunden oft anhören dürfen: Man kauft im April eine „wetterfeste“ (Billig-)Lounge. Man sitzt von Mai bis September sehr zufrieden darauf. Im Oktober stellt man sie irgendwie in eine (geschützte) Ecke. Im März öffnet man die Gartentür und findet: ein Kissen, das die Farbe gewechselt hat (von Creme zu Grau, ohne Aufpreis). Einen Flechtstreifen, der sich entschieden hat, die Lounge zu verlassen. Zwei Schrauben in einem Zustand, den man nur als „interessante Oxidationskunst“ beschreiben kann. Das ist kein Einzelfall sondern das Ergebnis von „wetterfest“ ohne weitere Angaben oftmals schon nach nur einem Winter.

Es ist ein bisschen wie das Kleingedruckte bei Garantieversprechen: technisch wahr, praktisch nutzlos. Wir haben Lounges gesehen, die bei einem Frühlingssturm davongeflogen sind — weil „wetterfest“ nur das Gestell meinte, aber nicht die Verbinder von Kissen und Auflagen oder die Verbindungsschrauben, die nach einer Saison bereits gerostet waren.

Die ehrliche Materialkunde – das Gestell

Teakholz — und der Sisyphos-Moment von Holz im Garten: Teak ist tatsächlich aussergewöhnlich widerstandsfähig – andere Hölzer (auch wenn Rubinie und Akazie heimisch sind) empfehlen wir für den dauerhaften Ausseneinsatz nur mit Einschränkungen. Aber — hier zitieren wir uns selbst — wer den Naturlook auch in der nächsten Saison erhalten möchte, braucht Zeit, Öl, Schleifpapier und die Bereitschaft, die Aufarbeitung des Gartenmöbels jedes Jahr erneut als entspannende Tätigkeit zu empfinden. Wer das – oder Vergrauung, Risse, Sprünge und Spreissel – in Kauf nimmt: „Herzlich Willkommen“. Wir können Ihnen wunderschöne Modelle unserer Handelspartner ohne Bedenken empfehlen. Wer aber lieber den Aperitif geniesst, ohne vorher zu schleifen: Es gibt zum Glück auch andere Materialien für Gartenmöbel.

Rattan, Polyrattan und Kunststoffgeflecht: Rattan sieht toll aus – weich, warm, organisch. Das Problem: Echtes Rattan wächst in den Tropen und ist nicht für den Aussenbereich in unseren Breitengraden geeignet. Was als Rattan oder „Polyrattan“ verkauft wird, ist daher meistens Kunststoffgeflecht über einem Metallgestell — und die Qualität variiert enorm. Günstiges Polyrattan enthält oft viele bedenkliche Weichmacher und sind diese nach zwei Sommern „verbraucht“, dann verblasst die Farbe und das Geflecht wird bei grösseren Temperaturschwankungen brüchig. Die Flechtstruktur löst sich an den Enden, bricht und steht ab – Kratzer und Verletzungen vorprogrammiert. Hochwertiges Polyrattan aus UV-stabilem PE-Rundgeflecht ist wesentlich haltbarer  — aber es kostet auch entsprechend mehr. Egal ob günstig oder hochwertig – eine beschädigte Lounge oder Gartenmöbel aus Polyrattan kann nur „versiegelt“ aber nicht wirtschaftlich sinnvoll repariert werden.

Stoff, Kordel & Rope-Geflecht: Eine trendige Alternative ist das Kordel- oder Rope-Geflecht. Gespannte Bänder oder Schnüre aus Polyester oder Polypropylen in selten Fällen aus Naturmaterialien, geflochten über einem Aluminium- oder Edelstahlgestell. Optisch und haptisch wohnlicher als klassisches Polyrattan oder reine Metallgestelle sind auch hier die Qualitätsunterschiede erheblich — Kordeln können sich bei schlechter Verarbeitung lösen oder mit der Zeit an Spannkraft verlieren und durchhängen. Hier gilt es insbesondere auch zu beachten, dass die meisten Rope- oder Geflecht- Gartenmöbel nicht mit dem Hochdruckreiniger gereinigt werden können, da sonst die Kordeln aufrauen. Pollen, Staub und Dreck verfangen sich aber gerne in den Stoffgeflechten und müssen von Hand mit einer Seifenlauge (mühsam) entfernt werden. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist hier natürlich auch, ob einzelne Kordeln im Schadensfall ersetzt werden können, ohne die ganze Lounge zu tauschen. Das rentiert meist nur bei hochwertigen Lounges, da die Lounges mit Flechtarbeiten (egal ob Polyrattan oder Kordel/Rope) nicht ohne Grund fast immer in Fernost gefertigt werden.

Aluminium: Aluminium rostet nicht aber es kann oxidieren. Aluminiumgestelle sind leicht, wartungsarm und langlebig. Leicht ist aber auch oft ihr Nachteil: Bei Wind und Sturm braucht man bei billigen Gartenmöbeln aus Aluminium entweder Ballastgewichte oder gute Nerven — idealerweise beides. Auch sehen günstige Aluminiumgestelle ohne Pulverbeschichtung oft nach zwei Jahren aus wie Sandgestrahlt und können oxidieren. Die Dicke der Pulverbeschichtung ist bei Aluminiumgestellen entsprechend ein Qualitätsmerkmal, welches nicht gleich jeden Kratzer sichtbar macht.

Edelstahl: Auch Edelstahl rostet nicht und wird in hochwertiger Verarbeitung meist pulverbeschichtet oder lackiert. Im Gegensatz zu Aluminium hat es aber den Vorteil, dass es nicht eingefärbt werden muss. Kratzer und Abnutzungen sind daher nicht gleich sichtbar, führen aber gerne mal zu Flugrost, welcher mit einer einfachen Edelstahlpolitur wieder entfernt werden kann. Hochwertiger Edelstahl hält Jahrzehnte und sieht auch nach vielen Jahren noch genauso aus wie nach der ersten Saison. Aufgrund seines Gewichts und der hohen Kosten bei der Anschaffung wird es für Loungemöbel aber immer seltener genutzt. Auch der Trend zu „warmen und organischen“ Designs wird durch die Metalloptik nicht wirklich unterstützt. 

Faserverstärkter Kunststoff: Ein neues Material das sich zunehmender Beliebtheit erfreut ist faser- insbesondere glasfaserverstärkter Kunststoff. UV beständig, farb- und lichtecht, hochstabil und dennoch leicht – so lassen sich mit diesem Material fast alle Formen und Farbgestaltungen realisieren. Haptisch wärmer und angenehmer als Metalle, können diese neuen Lounges auch ohne Rope oder Geflecht ein wohnliches Ambiente bieten. Abwischen – fertig, wetterfest und nahezu unzerstörbar. Wir sind gespannt wie sich dieser Trend weiter entwickeln wird. 

Was wirklich entscheidet — die Details

Verbindungsstellen: Günstige Möbel verbinden Aluminium mit Schrauben aus Normalstahl. Die rosten — auch wenn das Gestell selbst nicht rostet. Gute Lounges verwenden Edelstahlschrauben oder Kunststoffverbinder an allen exponierten Punkten.

Bezüge: Hochwertige Outdoorbezüge z.B. aus Sunbrella-Stoff trocknen schnell, widerstehen UV und entwickeln keinen Schimmelgeruch. Im mittleren Preissegment sind diese häufig nur in wenigen Farben und Stoffvariationen zur Auswahl. Hochwertige Hersteller bieten ein breites Sortiment an diesen Stoffen an und meist auch eine Möglichkeit die Bezüge bei Schaden oder Erneuerung separat zu kaufen und zu wechseln. Wenn der Stoff nach zehn Jahren verblichen ist — nicht die Lounge, nur der Bezug — kauft man neuen Stoff. Nicht neue Möbel. Der Nebeneffekt: Terracotta im Frühling, Dunkelgrün im Herbst. Die Lounge bleibt. Das Gefühl erneuert sich. Das ist trendiger, nachhaltiger und oft günstiger als alle zwei Jahre ein neues Loungeset zu kaufen.

Polsterung: Auch die Polsterung spielt für die Wetterfestigkeit eine entscheidende Rolle. Während in der unteren Preisklasse oft keine Angaben gemacht werden und man nach einem Regenguss mit einem tropfnassen und schwer zu trocknenden Kissen konfrontiert wird, wird in der mittleren Preisklasse häufig zumindest schnelltrocknende Polster verwendet. Diese laden aber nach einem Regenguss frühestens nach 15-30 Minuten wieder zur Verwendung ein. Hochklassige Produkte, wie z.B. Fischer Möbel verpacken ihre Polster in ein wasserdichtes Inlett – so dass nach einem Regenguss wirklich nur der schnelltrocknende Aussenstoff trocknen muss.

Füsse und Gleiter: Nackte Materialien hinterlassen Kratzer und sehen nach ein paarmal hin und her rücken nicht mehr schön aus oder fangen an zu wackeln. Gute Lounges oder Gartenmöbel haben Kunststoffgleiter oder Edelstahlkappen ab Werk und erlauben es diese auch viele Jahre nachzukaufen und nachzurüsten. Generell ist es von Vorteil, wenn der Hersteller die Lounge nicht nur für eine Saison produziert sondern eine langjährig erweiterbare Linie anbietet, welche auch über mehrere Jahre Verschleissteile oder Ersatzteile zur Nachbestellung bietet.

Passende Schutzhüllen: Gute Hersteller bieten passende Schutzhüllen zu ihren Loungemöbeln an, denn was nicht Wind & Wetter ausgesetzt wird hält einfach länger. Achten Sie darauf, dass die Schutzhüllen am Gestell gesichert oder festgezurrt werden können, um bei Wind und Sturm nicht wegzufliegen. Hochwertige Abdeckungen sind Pflicht insbesondere für Lounges, deren Polster nicht vollumfänglich entfernt werden können. Sie haben entsprechende Funktionen für eine verbesserte Luftzirkulation um Polster und Stoff schadens- und schimmelfrei zu überwintern. 

Ganzjährig draussen lassen oder einwintern?

Die Faustregel: Wetterfestes Gestell ja, Auflagen nein.

Hochwertiges Aluminium, Edelstahl und Faserverstärkter Kunststoff können den Schweizer Winter draussen problemlos überstehen — ein guter Grund, in diese Materialien zu investieren. Schutzhüllen verlängern die Lebensdauer ihrer Lounge egal aus welchem Material zusätzlich und halten Schmutz und Feuchtigkeit von den Verbindungsstellen fern. Hochwertige Lounges bieten immer eine passende Schutzhülle als Ergänzungsprodukt an. 

Kissen und Auflagen, die entfernt werden können, gehören über den Winter in einen trockenen, belüfteten Raum. Nicht weil hochwertige Stoffe das Überwintern im Freien nicht aushielten, sondern weil die Kombination aus Feuchtigkeit, organischem Schmutz und eingeschränkter Luftzirkulation insbesondere unter einer billigen Abdeckung Schimmelbildung begünstigt. Einlagern ist einfacher als Schimmel bekämpfen. 

Unsere ehrliche Antwort

Es gibt keine perfekte Gartenlounge für alle. Aber es gibt eine ehrliche Antwort auf die Frage, was wirklich wetterfest ist: Gestell aus Edelstahl oder hochwertigem pulverbeschichtetem Aluminium. Auflagen aus Outdoortextil mit nachgewiesener UV-Stabilität und  mindestens schnelltrocknende, schimmelresistente Polster. Verbindungsstellen ohne Normalstahl. Bezüge, die sich wechseln oder Kissen die sich nachbestellen lassen. Möglichkeiten zur Reparatur und Verschleissteile, die sich nachkaufen lassen. Es gibt Hersteller, die Ihnen diese Details nennen — ohne dass man dreimal nachfragen muss.

Fazit: Was nach dem zweiten Schweizer Winter noch genauso gut aussieht wie am Anfang: Das ist ist wirklich wetterfest. Meistens etwas teurer – aber der Aperitif darauf: unbezahlbar.

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